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Das Problem Afrika

Die Globalisierung hat vielen Ländern zu einem Wachstum verholfen, insbesondere Staaten in Fernost wie die Volksrepublik China, aber auch südamerikanischer Staaten wie Brasilien haben davon profitiert.

Nur an den meisten Ländern Afrikas scheint der Boom vorbeizugehen. 50 afrikanische Staaten bringen es auf etwa die gleiche Wirtschaftsleistung wie Brasilien. Und das bei einer Entwicklungshilfe von mehr als einer Billion US-Dollar in 50 Jahren. Trotzdem grassieren Armut, Unternährung, Krankheiten und mangelnde Bildung. Es gibt afrikanische Wirtschafts- und Finanzexperten, die eine Einstellung der Entwicklungshilfe fordern, weil sie die Bewohner des Kontinents zu Bittstellern und Abhängigern mache. Wiederum andere fordern eine Hilfe von 60 bis 70 Milliarden Dollar pro Jahr.

Was sind die Ursachen? Immer wieder wird die Korruption als Hauptursache genannt, aber es gibt Länder mit mehr Korruption, die wirtschaftlich erfolgreicher sind. Man muss viele Ursachen aufzählen: Mehrere Jahrhunderte Skaverei und gnadenlose wirtschaftliche Ausbeutung durch europäische Kolonialmächte. Dann erfolgte Ende des 19. Jahrhunderts durch die Mächte Europas und die USA eine willkürliche politische Aufteilung des afrikanischen Kontinents, die keine Rücksicht nahm auf gewachsene Strukturen, auf Königreiche, auf Stammesgrenzen und historisch gewachsene Handelsbeziehungen.

Als die Kolonialmächte die Kolonien in die Unabhängigkeit entließen, fehlten vielerorts Verwaltungen, Bildungseinrichtungen, eine medizinische Versorgung, Beamte, Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Richter und Handwerker. Auch die Ausbeutung, inbesondere der reichen Bodenschätze, durch internationale Bergbaukonzerne ging weiter

Früher wie heute fehlte in weiten Bereichen eine funktionierende Infrastruktur mit Häfen, befahrbaren Flüssen, Straßen und Eisenbahnen. Zudem lag die Macht in vielen Ländern in den Händen gewissenloser Potentaten, die sich genauso schamlos bereicherten wie die ehemaligen Kolonialherren. Das Privatvermögen Mobutus, Herrscher über die Demokratische Republik Kongo-früher Zaire-, wurde auf 14 Milliarden Dollar geschätzt. Weitere Hemmnisse auf dem Weg in eine wirtschaftliche Gesundung sind langdauernde, verheerende Bürgerkriege, Klimakatastrophen und enorm aufgeblähte Verwaltungsapparate.

Was ist zu tun? Neben dem notwendigen Geld aus den reichen Ländern muss eine gute  Führung eine Perspektive für die Zukunft entwickeln mit Aufbau einer Gesundheits- und Wasserversorgung, eines Bildungssystems, einer Infrastruktur und einem funktionierenden Bankwesen.

Ebenso wichtig ist die Entwicklung einheimischer Märkte ohne Behinderung durch subventionierte ausländische Waren und eine gerechte Bezahlung für Exportartikel.

Die positive Seite

Ausgerechnet in Ruanda gibt es, 15 Jahre nach dem verheerenden Völkermord, unter Präsident Kagame eine positive Entwicklung. Die Korruption wird bekämpft, die wirtschaftliche Entwicklung ist mit einem jährlichen Zuwachs von 7 Prozent so erfolgreich, dass ausländisches Geld investiert wird.

Im Norden des Landes agiert ein einheimische Banker namens Moses Opio Ogal, der eine Kredit- und Spargenossenschaft gegründet hat, die kleinen Bauern mit Startkrediten zu einem Anfang verhilft. Grundsatz für die Hilfe ist seine Erkenntnis, dass man die Menschen an der geplanten Veränderung beteiligen muss, dass sie erkennen können, welche Methoden und Technologien angewandt werden und dass sie Vertrauen in diese haben. An dieser Genossenschaft sind inzwischen 15.000 Menschen beteiligt, sie hat Spareinlagen von einer Million US-Dollar.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 74 vom 30. März 2010

Gunther Warnecke

 

 

 

 

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