Fair gehandelte Milch
Mit dem Begriff Fairer Handel verbindet man normalerweise die Vorstellung von Produkten aus den Entwicklungsländern: Schokolade/ Kakao aus Elfenbeinküste und Ghana, Kaffee aus Kolumbien, Taschen aus Indien usw.
Jetzt gibt es fair gehandelte Milch aus Deutschland. Wir alle erinnern uns noch deutlich an die Problemsituation der Milchbauern, die zeitweise nur 20 Cent für einen Liter Milch erhielten, was erheblich unter den Produktionskosten liegt. Seit einiger Zeit gibt es einen Vertrag zwischen der GEPA, dem führenden Großhändler für fair gehandelte Produkte und den Milchwerken Berchtesgadener Land Chiemgau, einer Bauerngenossenschaft. Dieser Betrieb hat als erster in Deutschland die Naturland-Fair-Zertifizierung erhalten. Naturland und GEPA arbeiten bei mehreren Projekten zusammen. Die Milch für die Milchschokolade, die aus afrikanischem Kakao hergestellt wird, kommt jetzt aus Bayern.
Die Situation der kleinen Bauern in Deutschland ist ja der der (noch kleineren) Bauern in den Entwicklungsländern nicht unähnlich. In den letzten drei Jahren haben 25 000 Bauern ihre Landwirtschaft aufgegeben. Der Vertrag mit Naturland und GEPA sichert ihnen einen festen Mindestpreis und langfristige Lieferverträge.
Von der EU werden hauptsächlich große Betriebe subventioniert, es hat sich aber gezeigt, dass auch mit ökologischem Landbau erfolgreich gewirtschaftet werden kann ohne die Landschaft zu zerstören.
Die Ausweitung des fairen Handels auf den Bereich der hoch subventionierten europäischen Agrarwirtschaft ist nicht unumstritten. Bei Transfair, der Siegelorganisation für den fairen Handel, befürchtet man, dass faire Produkte aus dem Norden und dem Süden von den Verbrauchern gleichgesetzt werden könnten.
Der faire Handel (mit dem Süden) wächst weiter zweistellig: im ersten Halbjahr 2011 lag der Umsatz 17% höher als im Vergleichszeitraum 2010.
Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 234, Dienstag, 11.10.2011
Gunther Warnecke

