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Spekulation mit dem Hunger

 

Nicht nur der Anbau von Pflanzen zur Spriterzeugung, nicht nur der verstärkte Anbau von Viehfutter, zB. Soja, zur Fleischproduktion, zunehmend auch in den Schwellenländern, und nicht nur die teilweise schlechten Ernten haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Lebensmittelpreise um bis zu 30% angestiegen sind.

Da sichere Geldanlagen, z.B. Staatsanleihen der südeuropäischen Staaten, inzwischen unsicher bzw. wertlos sind, weichen die Geldanleger (Investmentbanken, Hedgefonds, Privatanleger, aber auch Pensionen und Versicherungen) auf den Rohstoffmarkt aus, der zu einem Drittel aus Agrarprodukten besteht.

Ein normaler Handel mit Rohstoffen wird positiv gesehen, weil er den Herstellern und Abnehmern Planungssicherheit gibt und sie vor starken Preisschwankungen schützt. Wenn aber, wie jetzt im September geschehen, z.B. bei Soja die dreifache Jahresmenge und bei Mais die gesamte Ernte eines ganzen Jahres umgeschlagen wird, hat das mit normalem Rohstoffhandel nichts mehr zu tun. Diese Art von Spekulation lässt die Preise massiv ansteigen und führt dazu, dass Menschen, die fast ihren gesamten Lohn für Nahrung ausgeben, hungern müssen.

Die Organisation "foodwatch"  hat sich dieser Problematik angenommen und ihre Mitglieder aufgefordert, sich bei dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, zu beschweren. Dahinter steht die Tatsache, dass auch diese Bank mit ihrer Investmentabteilung im Rohstoffbereich tätig ist. Der Protest der etwa 10000 Teilnehmer an der Foodwatchaktion hatte Erfolg, bereits gestern versprach Ackermann in einem Brief an "foodwatch", den Rohstoffhandel der Bank auf den Prüfstand zu stellen.

 

Gunther Warnecke

 

Quellen: Süddeutsche Zeitung Nr. 241, 19. Okt. 2011, Brief von "foodwatch".

 

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