Menschenrechte im Anbau von Kakao
Eine Bestandsaufnahme der Initiativen der Kakao- und Schokoladenindustrie
ZUSAMMENFASSUNG
Weltweit bauen rund 5,5 Mio. Kleinbauern Kakao an. Niedrige und in Folge von Preisschwankungen unsichere Einkommen, schlechte Arbeitsbedingungen sowie Kinderarbeit sind in diesem Sektor weit verbreitet. Die Kleinbauern verkaufen die Kakaofrüchte an Unternehmen, welche Vorprodukte für die Schokoladenindustrie herstellen. Der Weltmarkt für die Verarbeitung von Kakao und die Herstellung von Schokolade wird von einigen wenigen Unternehmen beherrscht, die damit über einen großen Einfluss auf dem Markt verfügen. Im Jahr 2001 haben die Verbände der Schokoladen‐ und Kakaohersteller als Reaktion auf Presseberichte über die Arbeit von Kindersklaven auf westafrikanischen Kakaoplantagen das Harkin‐Engel‐Protokoll unterzeichnet. In dieser freiwilligen Vereinbarung sicherten die Verbände zu, bis 2004 die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu beenden. Die Umsetzungsfristen des Protokolls wurden mehrfach verlängert und es zeichnet sich bis heute nicht ab, wann es vollständig umgesetzt sein wird. Zugleich starteten mehrere Kakao und Schokolade verarbeitende Unternehmen Versuche, die eigene Lieferkette zu kontrollieren und gegen Missstände in den Anbauländern von Kakao vorzugehen. Sie bauen interne Kontrollsysteme auf oder arbeiten mit etablierten Zertifizierungsgesellschaften zusammen. Die Projekte erfassen erst einen kleinen Teil des Marktes.
Die Entwicklung in der Kakao‐ und Schokoladenbranche zeigt die Grenzen freiwilliger Prozesse auf. Fortschritte werden nur sehr langsam und in geringem Umfang erzielt. Ein weiteres großes Problem ist die Beschränkung vieler Initiativen auf die Reduzierung der Kinderarbeit in Ghana und der Elfenbeinküste. Damit werden die Unternehmen und ihre Verbände den von John Ruggie, Sonderbeauftragter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte, formulierten Anforderungen an transnationale Konzerne nicht gerecht. Um dies zu ändern, wäre ein international verbindlicher Rechtsrahmen, der die Einhaltung der Menschenrechte in den Lieferketten von Konzernen durchsetzt, ein wichtiger Schritt nach vorne.
Quelle: Friedel Hütz-Adams, INEF (Institut für Entwicklung und Frieden)

