Fairer Handel mit ökologischen Produkten wirtschaftlich erfolgreich
Da viele Weltläden ihre überwiegend ökologisch hergestellten Produkte mit ehrenamtlichen Kräften verkaufen, entsteht leicht der Eindruck, dass der faire Handel mit umweltfreundlich hergestellten Waren grundsätzlich nicht wirtschaftlich funktionieren kann.
Dass dem nicht so ist, zeigt ein Betrieb: die Memo-AG, ein Ökoversandhandel. Leiter ist Jürgen Schmidt, der schon als Schüler seine gesamte Schule mit Schweizer Umweltschutzpapier versorgte, natürlich mit Gewinn.
In der Folge gründete er einen Versandhandel, der bayerische Schulen mit Schreibwaren versorgt. Inzwischen ist die Memo-AG ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 18 Millionen Euro und einem Gewinn von 436 000 Euro in 2008. Tendenz von Jahr zu Jahr steigend.
Das Angebot umfasst zur Zeit fast 10 000 Artikel, davon sind 1000 mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet, somit ist die Firma der größte Anbieter von Produkten mit dem Umweltzeichen.
Es gibt keine langwierigen Tarifverhandlungen, die Gehälter der Mitarbeiter steigen automatisch um die Inflationsrate des Vorjahres. In den Ferienzeiten gibt es eine Kinderbetreuung, für Dienstreisen benutzt man Fahrzeuge mit Hybridantrieb, der eigene LKW fährt mit Biodiesel. Vertrieben werden ausschließlich Waren, die nach strengen ökologischen Kriterien hergestellt wurden.
Aber auch bei den Produzenten, zum Beispiel in China, achtet die Firma darauf, dass Bedingungen des Fair Trade erfüllt werden. So ist es möglich, dass eine Näherin in China fair bezahlt wird und das T-Shirt in Deutschland trotzdem weniger als 10 Euro kostet.
Wichtig für die Nachhaltigkeit ist die Tatsache, dass ausschließlich Produkte verkauft werden, die gebraucht werden, es gibt also keinen (oder wenig) Schnickschnack, der bald im Mülleimer landet.
Eine Ausnahme sind Luftballons, die allerdings aus Naturkautschuk gefertigt und mit schwermetallfreien Pigmenten gefärbt werden.
Man fragt sich warum die großen Versandhändler nicht auch nachhaltig arbeiten können..
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 09./10. Oktober 2010
Gunther Warnecke

